Zoff um „Charlie Hebdo“: Mitgründer erhebt schwere Vorwürfe gegen getöteten Chefredakteur

Zoff um „Charlie Hebdo“: Mitgründer erhebt schwere Vorwürfe gegen getöteten Chefredakteur

Ich wünsche mir eine Welt, in der Bauchnabelfluse zum Unwort des Jahres gekürt wird.

Was die Unworte der vergangenen Jahre über uns aussagen und warum wir ihre verborgenen Hinweise besser ernst nehmen, als diese mit Unwort. Jetzt auch noch Lügenpresse. Ein deutsches Traditionswort! Bereits in der Zeit des ersten Weltkriegs geboren, wieder aufgeflammt in den Reden Goebbels und heute sind wir wieder hier.

Schade, kann man da nur sagen. Wer die Unworte der vergangenen Jahre auf sich wirken lässt, kommt nicht umhin diese auch auf Ihre sozial-politische Aussage hin zu beleuchten.

Wem das zu abstrakt ist: was würden wohl Ausserirdische in die gekürten Begriffe hineininterpretieren, wenn Sie morgen auf dem unbekannten blauen Planeten landen würden?

Die Serie von 2000 bis heute ist gespickt mit Wörtern die eine eigene Geschichte erzählen. Auch die heute von PEGIDA-Anhängern zum Anlass genommene angebliche Islamisierung ist – im Begriff Gotteskrieger – bereits am Horizont zu erkennen.

Wer also unsere Unworte mit der Unvoreingenommenheit eines extraterrestrischen Besuchers auf unserem Planeten anschaut, kann die verschlüsselten Botschaften und Hinweise auf besondere Details unseres irdischen Zusammenlebens erkennen. Wer diese Hinweise erkennt hat die Chance zur Verbesserung.

Ein Beispiel: Lügenpresse. Wer hingeht und den Begriff relativiert und als PEGIDA-Hirngespinst abtut, kann sich verzetteln. Ein unabhängige Presse aus wirtschaftlich unabhängigen Ausführenden in den Redaktionen ist nicht in ausreichender Breite vorhanden. Sozial abgesicherten Journalisten mit Zeit für die nötige Recherche und Freiheit auch Themen abseits des Mainstreams an die Oberfläche zu holen, sind Fehlanzeige, im besten Fall selten.

Will sagen, nehmt diese Kritik ernst – auch wenn Sie wieder von rechts kommt. Sie nicht ernst zu nehmen und stattdessen diejenigen, die es riefen, zu entfremden haben wir in unserer deutschen Vergangenheit zweimal versucht…

Den im Wort Hinweis Lügenpresse enthaltenen Hinweis sollte man aus seinem populistischen Zwirn schälen und nüchtern betrachten. Fest steht ja: es wurde wiederholt unsauber berichtet und zu schnell veröffentlicht, ungeprüft, abgeschrieben. Viele Chancen für unangenehmes Thematisieren und aufklärendes Nachfragen wurden in der Vergangenheit vertan. Das muss sich schnell ändern, damit ich und andere in Zukunft den Schreihälsen entschlossen erwidern kann: “Lügenpresse?” – “Nein, Ihr lügt!” Das kann ich im Moment mit Blick auf die derzeitigen Zustände nicht tun, wohlwissend, dass unsere “Presse” ganz andere Bezeichnungen eher verdient hätte. Lügenpresse aber ist griffig. Und Gefährlich.

Wort/Unwort-Chronik

Die meisten Konflikte, welche die Welt im Laufe der letzten Jahrzehnte gesehen hat, sind nicht hervorgerufen worden durch fürstliche Ambitionen oder ministerielle Umtriebe, sondern durch leidenschaftliche Erregung der öffentlichen Meinung, die durch Presse und Parlament die Exekutive mit sich riss.

Bernhard von Bülow, 1909