Natürlich ging es bei Wahlen in Deutschland immer auch
um Personen. Aber die Parteien gaben jahrzehntelang die
Leitplanken vor, die Kandidaten nicht durchschlagen durften.
Das hat sich verändert. Die SPD bekam von Gerhard Schröder
die Agenda 2010 verordnet, Merkel rückte die CDU so weit
nach links, dass das Programm ohne große Änderungen auf
einem SPD-Parteitag angenommen würde. Alles tummelt
sich jetzt in der Mitte.
Das ist nicht verboten. Aber die großen Volksparteien handeln so gegen den Geist des Grundgesetzes; sie organisieren
nicht den Kampf der Ideen, sondern bilden die Kulisse für
die Auftritte ihrer Spitzenleute. Sie verkommen zu staatlich
subventionierten Event-Agenturen.

Aus dem lesenswerten Leitartikel, DER SPIEGEL 09/2015