M(al) E(cht) G(ar nicht) A(nders)

Spiegelbilder können auch Trugbilder sein. Und vor allem wenn man mit seinem Spiegelbild gerade unzufrieden ist, ist man besonders anfällig für Selbstbetrug. Oft hat man einen Lieblingsspiegel – nicht selten ein Hohlspiegel -, der einen besonders vorteilhaft darstellt. So ähnlich muss es bei der SPD und Martin Schulz sein.

Was die SPD meint, was Martin Schulz ist:

  1. der mit 100 Prozent demokratisch gewählte Partei-Chef
  2. der MEGA-Messias
  3. der Hartz4-Tuner
  4. der andere Kandidat

Leider alles Trugbilder. Aber der Reihe nach:

Zu 1: der demokratisch gewählte Partei-Chef

100 Prozent toll, unglaublich, MEGA! Irgendwie drängt sich der demokratische Eindruck hier gerade zu auf: kein anderer Kandidat, der ultra-demokratische Vorlauf der “Ernennung” durch König Gabriel und der schon vor der offiziellen Wahl gaaanz spontane aufgesetzte Personenkult und dann 100 Prozent. Das ist dann schon eine ziemlich vernichtende Aussage über das Sozialverständnis der SPD. Aber dazu später.

Zu 2: der MEGA-Messias

Mal abgesehen davon, dass der MEGA-Claim schon einen PR-Coup darstellt: war das Risiko doch hoch, von Donald Trump – aktueller Buhmann der westlichen Welt – zu plagiieren. Was als ‘semi-satirical subreddit’ startete, war dann erfolgreich: die SPD-Follower fahren auf MEGA ab, die Parteipropagandaabteilung übernimmt den unkreativen Claim, der MEGA-Messias-Hype aka “Schulzzug” ist geboren. 

Na denn. Aber Moment, hatte Martin Schulz nicht kürzlich jahrelang die große Chance Europa groß zu machen

Zu 3: der Hartz4-Reformer

Achja, was macht man, wenn man mit einem bisher innenpolitisch profillosen Kandidaten in einen populistischen Wahlkampf starten will?

Richtig, sich am besten auf Kosten einer Gruppe Schwacher der Gesellschaft, ohne Lobby, mit denen man spielt. 

Die bisher von Schulz angeregten Änderungen am verfehlten Sanktionierungssystem Hartz4 sind nicht Ausdruck politischer Überzeugung, sondern gesunden Menschenverstands.

Zu 4: der andere Kandidat

Tja, spätestens jetzt ist klar, welche Themen außer Hartz4

Martin Schulz

bestimmen: 

Zeit den Spiegel zu zerschlagen, der Dir etwas vormacht, liebe SPD!

So lassen sich vielleicht in 2017 noch einmal Wahlen gewinnen, aber zu welchem Preis? 

Geht es wirklich nur um Machterhalt? Die SPD verweigert einen kritischen Blick in den ehrlichen Spiegel und verhindert so die konsequente Erneuerung der maroden Partei. Es spricht für sich selbst, dass die älteste deutsche Partei einen so kurzgedachten Weg geht. Populism rules halt. Aber Achtung: zerstörte Hoffnungen vieler Menschen sind nicht das gelungene Ergebnis nachhaltiger Politik, sondern waren schon seit jeher Warnsignale für Demokratien. 

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