RWE/IG BCE und Polizei NRW Aachen: Hand in Hand – Folge 3624

So oder so ähnlich auch auf solifuerhambi.org erschienen…

Ein Gedanke ließ uns heute nicht los. Wir möchten ihn mit der Polizei teilen: Als heute morgen ca. 100 aufgebrachte RWE-Mitarbeiter mit IG BCE-Gewerkschaftsinsignien vor dem Haus einer Klimaschützerin auftauchten, da stand die Polizei daneben, griff aber nicht ein und konnte letztlich den Schutz des Grundstücks auch nicht vollends gewährleisten.

Wir fragen die Polizei: was war denn da los? Wollen wir alle mal versuchen, uns auszumalen, das seien 100 Klimaaktivisten vor dem Haus von Rolf Martin Schmitz gewesen? Nein, das wollen wir nicht. Zu präsent sind noch die Bilder der Räumungen, wo friedliche Menschen von Polizist_innen gepfeffert und verprügelt wurden. Allesamt wesentlich harmloser, als dieser RWE/IGBCE-Mob.

Wir fragen die Polizei, wie wird in so einem Fall die Gefahrenlage beurteilt, wenn hier schon die Privatsphäre eines Menschen keine Berücksichtigung findet? Wir vergleichen mit Ende Gelände oder Aktion Unterholz: da werden Polizist_innen in riesiger Menge zusammengezogen, obwohl die Aktivisti einem Aktionskonsens folgen, dem 99,9 Prozent der Aktiven zustimmen. Und diese Organisationen sind im Vergleich mit der Gewerkschaft jung. Die IG BCE hat in Jahrzehnten ihres Daseins so etwas nicht entwickelt. Die Aussagen in sozialen Netzwerken von RWE nahen Menschen sind dazu erschreckend und rufen seit Wochen zu konkreten Gewalttaten gegen Klimaschützer_innen auf. Warum misst ihr mit zweierlei Maß? Warum stellt ihr euch wieder auf die Seite des Kartells aus Konzern-Gewerkschaft-Behörden gegen die Interessen und den Schutz der Mehrheit der Menschen?

Ist es vielleicht, dass die „Demo“ von der Polizei als eine rechte Veranstaltung eingeordnet wurde? Seit wir hier hin und wieder die Versuche von Shitstorms aus RWE-Milieu mitbekommen, stellen wir auch eine erschreckende Überschneidung mit Nazi-Ideen und Sprachgebrauch unter den RWE-Sympatisanten fest. Haben wir heute morgen die gleiche Diskrepanz erlebt, wie wir sie zum Beispiel in Chemnitz aber auch anderswo sehen, wenn Rechte auf die Straße gehen und von Polizei mit Samthandschuhen angefasst werden?

Auch wenn die RWE-Mitarbeiter uns seit Wochen nur das schlechteste Wünschen, obwohl wir uns auch gerade mit ihnen und ihren Ängsten solidarisieren, schockieren uns Bilder, wie heute morgen in Buir. Denn genau das sind Nazi-Methoden und ein Mensch wie Walter Butterweck hat in einer Gewerkschaft absolut nichts verloren. Trotzdem: RWE muss sich jetzt dringend um die Zukunft der Tagebau-Mitarbeiter kümmern. Sie müssen vollständig entschädigt werden und ihre Angst muss genommen werden, damit sie nicht weiter instrumentalisiert werden können.

Klima-Aktivismus ist kein Verbrechen, auch nicht bei der Polizei. 
Wie sonst will die Polizei ihrem Auftrag, uns alle zu schützen nachkommen, wenn nicht beim Klima? Schützt Menschen, wie Antje Grothus, die sich für die Gesellschaft engagieren beim Klima. Dämmt den Schaden ein, den aufgestachelte Angestellte von RWE anrichten können. Macht auch ihr, liebe Polizist_innen den benötigten Wandel mit möglich. Das ist kein politisches Bekenntnis, wie es RWE, IGBCE und NRWE-Landesregierung und andere aus dem RWE-Politiker-Filz (kürzlich die SPD in Niederzier) versuchen, darzustellen. Das ist erwiesene Wissenschaft und moralisch nach allen in Deutschland gängigen Wertevorstellungen (außer dem Kapitalismus) – von Bibel bis Grundgesetz – Imperativ.

Hier eine Zusammenfassung in der nicht gerade Bewegungs freundlichen RP: „Erst als einer aus der Gruppe gegen ihr Küchenfenster geschlagen habe, habe die Polizei eingegriffen.“

Was Polizei Twitter Accounts eigentlich so von sich geben

WORK-IN-PROGRESS Polizei Twitter Accounts, Stand: 11.09.2018:

Wer sich regelmäßig mit den Ergüssen von Polizeipressestellen auseinandersetzt, kann erahnen, dass Polizei und insbesondere deren Polizei Twitter Accounts ein sensibles Feld der Öffentlichkeitsarbeit darstellen. Wie der Film Hamburger Gitter zeigt, sind zum Beispiel während G20 Fälle aufgetreten, in denen argumentiert werden könnte, dass diese Accounts nicht immer der Neutralitätsverpflichtung entsprechen. Aber es sind nicht immer weltbewegende Ereignisse, die die Augewogenheit ins Wanken bringen.

Immer wieder sind mir bspw. die Tweets der Polizei Münster aufgefallen, die in aller Regelmäßigkeit Autofahrer vor Verkehrskontrollen warnen. Deshalb habe ich hier einmal begonnen Snapshot-Analysen der verschiedenen Polizei Twitter Accounts zu unternehmen. Die folgende Liste wird fortlaufend ergänzt und aktualisiert.

Als ich – auch bei anderen Polizei-Social-Media-Accounts einmal genauer hinschaute, fiel auf, dass neben den Warnungen insgesamt „Autofahrer-News“ die überwiegende Zahl der Tweets ausmachten. Mit Autofahrer-News sind Tweets gemeint, die ausschließlich Auto fahrende Menschen adressieren. Hier eine beispielhafte Zählung für die Tweets des Polizei Twitter Acount der Polizei Münster.

Und das in der „Radfahrhauptstadt“ Münster! Mehrfach wurden meine etwas überspitzten Nachfragen, wann denn die nächste Drogenrazzia stattfände, ignoriert. Da war ich angefixt und wollte der Sache selbst einmal genauer auf den Grund gehen, um zu sehen, was die da so tweeten.

Analyse der Unausgewogenheit am Beispiel Mobilität

Ich habe den Output einiger Polizeistellen im Ruhrgebiet einmal auf ihre inhaltlichen Schwerpunkte hin analysiert.

  1. Allgemeines zum Verhalten auf Twitter
  2. Autofahrer-News-Anteil der letzten 100 Tweets
  3. Analyse Top15 verwendete Hashtags
  4. Twitter-Highlights der letzten Woche

Hier die Ergebnisse meiner Analyse:

Twitter Profil der Polizei Münster

Polizei Münster

Schon das Profil der Polizei Münster ist ein reines Product-Placement für einen großen Automobilkonzern. Der letzte Tweet (Screenshot vom 26.08.2018) demonstriert mMn die politische Ausrichtung dieses Polizeitwitters, wie wir auch in der weiteren Analyse sehen werden.

Der Polizei Twitter Account der Fahrradhauptstadt ist ein Autofahrer-Infokanal

Heatmap der Twitter-Aktivitäten
Tweet-Zeiten der Polizei Münster

Die Polizei Münster twittert jeden Tag mit Schwerpunkt Arbeitswoche. Der Tag beginnt Montag bis Freitag zwischen 6 und 7 Uhr mit so einer exklusiven Nachricht:

Beispielhafter Guten-Morgen-Tweet Polizei Münster

Der Autofahrer-News-Anteil der letzten 100 Tweets beträgt wieder 68 Prozent, meist Blitzer-Warnungnen oder Sperrungen. Die meisten Tweets (74 Prozent) sind eigene, vor Retweets (11 Prozent) und Reply (10 Prozent).

Häufigsten Hashtags der Polizei Münster auf Twitter
Häufigsten Hashtags der Polizei Münster auf Twitter

Das Hashtag #msverkehr dominiert  die Top15 (25 Prozent der Tweets). Fasst man die verschiedenen Schreibweisen von Blitzer/blitzer zusammen, ergibt das 19 Prozent der tweets und Platz 2, noch vor #Münster.

Mit Unfall, den Autobahnen A1, A43 und A2, die den Kirchentag  umrahmen (kt18) sind weitere „Auto-Hashtags“ auf der Liste. #Recklinghausen, #Hiltrup und Osttor sind beim genauen hinlesen ebenfalls Verkehrsmeldungen.

Wie war nun die vergangene Woche der Polizei Münster auf Twitter? Dieser Tweet löste die meisten Replies aus:

Zum Thema Kopfhörer beim Radfahren. Und der ist in der Sache falsch. Sonst war nicht wirklich was.

Twitter-Profil der Polizei Recklinghausen

Polizei Recklinghausen

Ganz anders die Polizei Recklinghausen: auch wenn das Cover wieder aus dem Werbe-Prospekt eines Polizei-Auto-Herstellers stammen könnte, inhaltlich überwiegen hier knapp die Tweets, die sich nicht explizit an Autofahrende wenden: 52:48. Und wenn vor „Messstellen“ gewarnt wird, sprechen die Tweets eine ganz andere Sprache:

In der Heatmap sieht man, wie die Kolleg*innen in Recklinghausen sehr streng an die regulären Arbeitszeiten Montag-Freitag 6-15 Uhr halten. Nur 10 der letzten 600 Tweets sind außerhalb dieser Zeiten. Insgesamt wesentlich weniger Tweets. Während die Kolleg*innen in Münster die letzten 600 Tweets zwischen März und August liegen, erstrecken sich diese in Recklinghausen vom November bis August.

Tweet-Zeiten der Polizei Recklinghausen
Tweet-Zeiten der Polizei Recklinghausen

90 Prozent der Tweets sind eigene, 5 Prozent Retweets.

Lame but fair game: Recklinghausen

Am meisten verwendet ist das Hashtag #ots. Es verweist auf die Seite presseportal.de und ist in allen Tweets mit eigenen Meldungen enthalten. Wahrscheinlich wird es automatisch eingefügt.

Dann folgen Orte aus dem Kreis Recklinghausen. Wobei der Begriff Messstelle in verschiedenen Schreibweisen kommt dieser auf Platz Zwei. Wenn mensch berücksichtigt, dass der #ots eventueell automatisch erzeugt wird, fällt auf, dass auch in Recklinghausen ein Auto-Begriff die Top15 anführt. Insgesamt ist das Angebot des Recklinghauser Polizei-Twitter-Accounts ausgewogener, wird für allgemeine Informationen und auch für #zeugen-Aufrufe genutzt.

Zur letzten Woche: es ist leider nichts los bei diesem Polizei-Twitter-Account. Etwas mehr Interaktion und weniger automatisierte Tweets täten @Polizei_NRW_RE gut.

Polizei Dortmund

Wieder eine tolle Autowerbung. Mal zum Vergleich ein typisches Beispiel eines Accounts, der ein ähnliches Cover-Bild verwendet.

Auto-Enthusiasten

Aber zurück zur Sache.

Frühaufsteher betreiben den Polizei Twitter Account in Dortmund. Und auch ausserhalb der Kernzeiten gibt es recht viel Aktivitäten. Kein Wunder: nur von Juli-August brauchen die Dortunder für ihre 600 Tweets.

65 Prozent der Tweets sind die eigenen, 25 Prozent Replies und (!) mehr Quotes (6 Prozent) als kommentarlose Retweets (4 Prozent).

Dortmund hyperaktiv

#Dortmund wird in X Prozent der Tweets auf. Interessant: Die Anzahl des Hashtags #Lünen (21 Nennungen), dass im Norden Dortmunds auch von der Polizei Dortmund verwaltet wird, entsprechen im Verhältnis zu den Nennungen von #Dortmund nahezu exakt dem Einwohnerverhältnis der beiden Städte. #Polizei wird beiläufig in 6,5 Prozent der Tweets verbaut. Aktuelle Großereignisse in Dortmund – wie die #PokemonGo #SafariZone werden liebevoll im Polizei Twitter Account begleitet.

Positiv. Bei der Analyse der letzten 100 Tweets kommt die Polizei Dortmund auf 15% „Autofahrer-News“. Die restlichen Tweets drehen sich um ein breites Feld: Ankündigungen diverser Info-Veranstaltungen, Begleitung des Bundesligaspiels und Pressemitteilungen zu aktuellen Verfahren.

In der letzten Woche war das Spiel des BVB im eigenen Stadion und der Sieg gegen RB Leipzig das bestimmende und most engaging Thema (meiste Favs, Replies, Retweets).

Polizei Bochum

Das Cover ist wieder aus dem VW-Katalog für Einsatzfahrzeuge. Irgendwie war mir das zu einseitig und ich wollte einmal sehen, wie anders die Wirkung mit einem offenerem Coverbild sein würde. Hier einer meiner Vorschläger:

Bochum hat eine #SocialMediaStreife

Für ihre 600 Tweets des Analyse-Zeitraum hat der Polizei Twitter Account in Bochum von Februar bis August gebraucht. 80 Prozent eigene Tweets, 8,5 Prozent Replies auf Tweets, 6,6 Prozent Quotes und 1,5 Prozent Retweets.

Ein sehr abwechslungsreiches Feauture der Polizei Bochum ist die #SocialMediaStreife. Davon wünscht man sich mehr.

An dieser Stelle endet die aktuelle Auflistung der Analysen der unterschiedlichen Polizei Twitter Accounts. Diese Liste wird kontinuierlich weitergeführt. Aktuelle Phänomene aus anderen Polizei-Accounts bitte in den Kommentaren verlinken.

Disclaimer: Es soll hier nicht darum gehen, Polizei Social Media per se in Frage zu stellen. Der Autor ist allerdings der festen Überzeugung, dass diese Accounts einer strengen Kontrolle hinsichtlich ihres ausgewogenen Inhalts unterliegen sollten.

Hambacher Forst: der Tag X ist da und was jetzt zu tun ist, damit der #HambiBleibt

Die Lage in und um den Hambacher Forst spitzt sich zu: Nach den ersten Rodungen heute morgen im Hambi, wurde Tag X ausgerufen.

Der Hambacher Forst ist ein besonderer Ort. Er ist heilig. Dieser Wald verzaubert Menschen. Er inspiriert. Mich jedenfalls hat der Wald inspiriert und tut das seit Jahren.

Auch die aktuelle Situation hat ihre Wirkung auf mich und auf die versprengte Klimabewegung im Ruhrgebiet. Die letzten Tage sind geprägt von massenhaften Übergriffen bewaffneter und gewaltbereiter Vermummter geprägt, der Polizei Aachen. Die Polizei macht für die RWE AG im Wald die Drecksarbeit. Die Nachrichten, die derzeit aus dem Wald kommen, sind ein Mahnmal des repressiven Staates, ein trauriges Machwerk, gedeckt und geduldet von Armin Laschet und seinem Innenminister Reul. Während der Ministerpräsident schweigt, feuert der Innenminister die angespannte Lage mit Vorverurteilungen gegen die Waldbesetzer an. Trotzdem geben die Geschehnisse im Hambi der Bewegung irgendwie Kraft und einen wichtigen Impuls: Mensch vernetzt sich.

Hambi heroes

Bei einem kurzfristig anberaumten Treffen der Klimavernetzung Ruhr in Essen ist der Raum picke-packe voll. Es herrscht Einigkeit darüber, jetzt mehr zu tun. Dazu laufen die Planungen jetzt an. Das Spektrum von Aktionen geht von Ungehorsam in Essen und verschiedene Soli-Aktionen und Mahnwachen.

Noch ist der Wald nicht verloren

Tag X also im Hambi. Das bedeutet, dass jetzt jede von uns gefordert ist, dem Wald beizustehen, um ihn zu erhalten und die gefräßigen Bagger von RWE zu stoppen. Dazu ist es jetzt entscheidend, dass wir RWE und der Politik, die RWE gewähren lässt deutlich zeigen: Stopp, nicht weiter!

Dabei gibt es viele Wege und Möglichkeiten, nicht alle beinhalten direkte, konfrontative Aktionen. Wichtig ist, dass sichtbar wird, wie viele wir sind. Und wie stark wir sind. Hier ein Überblick:

Wie werdet ihr aktiv?

  • Macht bitte auch an Rise for Climate ein Solifoto von eurer Gruppe für den Hambacher Forst. Hashtags siehe oben.
  • Morgen, am Tag X+1 gibt es Aktionen von Aktion Unterholz. Schließ dich an, wenn du kannst.Hier gibt es auch eine Mitfahrbörse.
  • Gehe zu Plena in deiner Nähe und informiere dich über Hambi-Support-Gruppen
  • Folgt den Accounts von @Ende__Gelaende, @AktionUnterholz, @hambibleibt u.a. sowie den Hashtags #hambibleibt #sonstkommich.

Bitte versucht in Eurem Bekanntenkreis möglichst viele Menschen zu mobilisieren.

Kämpferisch und solidarisch. #hambibleibt

RWE-Sumpf in den Kommunen- why we rise in Essen

Mein Artikel ist so ähnlich auch auf der Seite von Fossil Free Deutschland erschienen und befasst sich mit Ergebnissen der Recherche von Greenpeace Köln zu den RWE-Beteiligungen der Kommunen.

Wir erleben einen Sommer, der auch uns in Mitteleuropa einen Vorgeschmack auf die katastrophalen Folgen des Klimawandels gibt, die für andere Teile der Welt schon alltäglich geworden sind. Viele Menschen wollen daher, dass sich etwas tut und die Bundesregierung endlich handelt, damit Deutschland seine Klimaziele einhält.

Dabei liegt der Schlüssel für Veränderung oft in den Kommunen. Viele Stadtverwaltungen halten Aktien von Klimaverschmutzern wie RWE oder Steag in Essen. Tim Petzoldt von Greenpeace Köln hat gemeinsam mit einem Netzwerk von Aktivist*innen die Kommunen recherchiert, die immer noch RWE-Aktien halten.

Während viele bei Diesel, Dürre und Kohleausstieg nach Berlin schauen, gibt es gerade auch, was die finanziellen Verflechtungen mit Kohle, Öl und Gas angeht, lokal noch viel zu tun. Das hat zum Beispiel New York im letzten Jahr gezeigt, als es sich von Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen trennte und gleichzeitig ein Gerichtsverfahren gegen 5 der größten Verschmutzer anstrebte. Viele Kommunen in Deutschland halten Aktien von Unternehmen die ihr Geld mit Kohle, Öl und Gas verdienen. Dies ist möglich, da nur wenige Städte diesbezüglich klare Vorschriften haben und so oft fossile Altlasten nicht loswerden. Wie die Lage in den Stadtkassen bezüglich RWE-Aktien ist, findet sich in dem neuen Bericht.

Rund um das Ruhrgebiet ist es besonders RWE, in das viele Kommunen investiert haben: Dortmund, Mülheim, Düsseldorf, Bochum uvm. Diese und andere Kommunen in der Region halten Aktien von Europas größten CO2-Emittenten. Auch die Stadt Essen, die vergangenes Jahr den Titel Grüne Hauptstadt trug, besitzt kapp 19 Mio. RWE-Aktien.

Tim Petzoldt beobachtet das Thema seit Jahren. Nun hat er eine aktualisierte Version der Recherche veröffentlicht. Dabei ist er mit vielen lokalen Aktivist*innen und Kämmereien in Kontakt getreten, die die Datenlage bestätigten. Hier findet ihr einen detaillierten Bericht zu den einzelnen Kommunen.

Das dreckige Geflecht. RWE und die Kommunen. Klick auf das Bild, für Großansicht.

Dortmund besitzt den größten Anteil – Essen auf Platz zwei

Viele Kommunen tun sich schwer, die Aktien loszuwerden. Zu eng sind oft die Beziehungen von Kommunalpolitiker*innen und Energiekonzernen. Dabei ist das Festhalten an RWE-Aktien weder finanziell noch moralisch verantwortbar.

Dennoch: viele Kommunen haben es geschafft, zumindest die RWE-Beteiligungsgesellschaften, durch die der Verkauf erschwert wurde, aufzulösen. Die Recherche von Tim Petzoldt zeigt sehr detailliert, wie die Lage in den Kommunen ist.

Rolf Schwermer von Fossil Free Essen beobachtet die Investitionsstrategie der Stadt in den Konzern, der im Rheinland unter großem Aufwand und durch Zerstörung von Dörfern und Umwelt Braunkohle fördert seit vielen Jahren. Auch er hat an der Studie von Tim Petzoldt mitgearbeitet und lieferte wichtigen Insights aus Essen und Mülheim.

Vor zwei Jahren hatte die Recherche die Verflechtungen der 24 RWE-Beteiligungsgesellschaften aufgedeckt. Diese wurden größtenteils 2013 gegründet, um mit einem „Steuertrick“ keine Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer zahlen zu müssen. Seit dem ist Einiges geschehen.

Kommunen, die ihre RWE-Aktien vollständig oder zum Teil veräußert haben:

Stadt Bochum 4,4 Mio. Oktober 2016 & Juni 2017

Stadt Mülheim 1 Mio. August 2017

Stadt Herne 450.000 Herbst 2017

Kreis Wesel 1 Mio. März 2017

Kreis Siegen-Wittgenstein 2,4 Mio. Juni 2018

Damit gibt es das Steuerprivileg für alle RWE-Kommunen nicht mehr.

Dortmund belegt unter den Kommunen mit RWE-Beteiligung mit 23.600.000 Aktien (ca. 500 Mio. Euro) den ersten Platz, dicht gefolgt von der Stadt Essen mit 18.761.230 Aktien (ca. 400 Mio. Euro). Die 21 größten kommunalen Anteilseigner halten insgesamt 94.0044.071 Aktien (ca. 2 Mrd. Euro). Hier den ganzen Bericht downloaden

Bei seinen Recherchen ist Rolf Schwermer auch auf Ungereimtheiten in der Essener Klimabilanz gestoßen. Der WDR berichtete. Für ihn kann es nicht sein, dass die Emissionen lokaler ansässiger, CO2-intensiver Unternehmen nicht in Essens Bilanz auftauchen.

“Es ist völlig paradox, dass die Stadt allen Ernstes auf die Dividende von RWE setzt, eines der Klima schädigensten Unternehmen der Welt.” Fossil Free Essen fordert die Stadt und wechselnde OBs auf, endlich die fossilen Investments zu beenden. Bis jetzt ist nicht viel passiert: ein paar Mal war das Thema im Stadtrat, in den Ausschüssen und auf Parteienebene schaut man aber lieber weg in Essen.

Zu Rise For Climate wollen die Essener nun ein Zeichen setzen. “Kommunen müssen endlich anfangen, alle Hebel auf lokaler Ebene beim Klimaschutz zu nutzen,” so Andreas Brinck, Rise for Climate Koordinator für 350.org. Denn der Klimawandel stellt uns nicht nur vor die Frage wie wir den Kohleausstieg gestalten. Der Klimawandel betrifft ebenso Fluchtursachen und den Ursprung vieler sozialer Probleme.

Deswegen hat sich in Essen nun für Rise For Climate ein breites gesellschaftliches Bündnis gebildet, um verschiedene Aktionen zum weltweiten Aktionstag zu organisieren. Dabei steht das Nichtstun der Städte bei den kommunalen Investments im Fokus. Neben Greenpeace aus dem Ruhrgebiet und Fossil Free Gruppen aus Essen und Dortmund ist unter anderen auch die Seebrücke Essen, Greenpeace, die Grünen und Die Linke in Essen dabei.

“Klimawandel geht uns alle an” sagt Dominik Posern, der auch bei der Seebrücke in Essen aktiv ist und hofft, dass die Stadt endlich reagiert. “Die Schritte die ergriffen werden müssen, sind lange bekannt und müssen jetzt umgesetzt werden: Bekenntnis zu bedingungslosen Klimaschutz, Divestment und Re-Investment in lokale Klimaschutz-Maßnahmen.

Hier geht’s zur Veranstaltung im facebook.

True, but rejected: Wir haben ein Rassismus-Problem.

Die These steht im Raum: Wir haben in Deutschland ein Rassismus-Problem. Die These ist umstritten, dabei wäre es doch so einfach. Ein Blick in die Statistik-Trickkiste hilft. Mir zumindest.

Nach Mesut Özils beachtlichem Rück-Tritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft, entbrannte eine heftige Diskussion. Leider ging es bei dieser Diskussion nicht um die konkreten, von Özil vorgebrachten Vorwürfe der „rassistischen Tendenzen“ in DFB, bei Sponsoren, Medien und in der deutschen Gesellschaft, sondern darum, ob dieser Vorwurf überhaupt gerechtfertigt sei.

Statt Vorwürfe ernst zu nehmen, gibt es Abwehrreaktionen

Diese Auseinandersetzung findet gerade ihre Fortsetzung im Hashtag #metwo auf Twitter, unter dem Betroffene ihre Erfahrungen mit Rassismus schildern.

Anstatt die vorgebrachten Fallbeispiele ernst zu nehmen, gibt es Abwehrreaktionen, ähnlich wie im Fall Özil.

„Sind ja nicht alle Deutschen so.“

„Kommunikation ist komplex.“

Um ein paar zu nennen. Viele Antworten sind so abscheulich, dass man sie nicht widergeben mag. Das muss man nicht beachten, aber grundsätzlich trifft der Gedanke, dass Deutschland ein Problem habe auf starke Ablehnung. Trotz der vielen bewegenden Fallbeispiele.

Die Diskussion ist müßig und muss besonders für die Betroffenen anstrengend sein, da das Erlebte in Frage oder Abrede gestellt wird.

Eigentlich ganz einfach

Schaue ich mir das Konzept des Type-1/Type-2 errors aus der Statistik an, komme ich zu dem Schluss, dass wir eine breite Debatte über Rassismus in Deutschland führen müssen. Warum?

Für nicht Statistiker: das Konzept behandelt die Konsequenzen auf die Wahrheit einer Hypothese und das dazu gefällte Urteil:

Beispiel gefällig? OK.

Im Beispiel stellen wir uns einen Menschen vor, der auf eine tödliche Krankheit getestet wird. Also ist unsere Hypothese: Der Test ist negativ und Patient*in ist gesund.

Ein Type 1 error wäre also ein falscher Alarm – Patient*in ist gesund und bekommt die vernichtende Diagnose, 1 habe die tödliche Krankheit.

Ein Type 2 error wäre das Szenario: Patient*in ist todkrank, aber die Diagnose lautet fälschlicherweise gesund.

Beides hat so seine Auswirkungen.

Hypothese: Wir haben ein Rassismus-Problem!

Jetzt gleiches Spiel für unser Rassismus-Problem bzw. das vermeintliche…

Die Hypothese lautet:

Wir haben kein Rassismus-Problem.

Type 1 error:

falscher Alarm, wir haben kein generelles Rassismus-Problem, aber führen eine Debatte darüber, was wir gegen tiun können, ergreifen Maßnahmen gegen Rassismus, führende Vertreter*innen der Gesellschaft sprechen sich dagegen aus usw.

Type 2 error:

Wir haben ein echtes Problem, aber verdrängen und bekämpfen die Idee, dass es in Deutschland generellen Rassismus gibt (die aktuelle Debatte), die Betroffenen fühlen sich nicht ernst genommen und vor allem ausgegrenzt, weil ihre Erlebnisse nicht zählen. Tausendfach.

So. Und ich finde, dass wir lieber die „Gefahr“ des ersten Szenarios riskieren sollten und konsequent gegen einen flächendeckenden Rassismus vorgehen auch auf die Gefahr hin, dass wir Windmühlen bekämpfen. Denn es hätte eigentlich keinen Nachteil. Wohingegen das negieren des Problem bei tatsächlicher Existenz, ein inakzeptables Problem darstellt. Es kann nicht sein, dass Menschen rassistische Übergriffe erleben müssen. Das zu ignorieren oder schönzureden widerspricht unserem Sinn für gerechtigkeit. Meiner Meinung nach.

Also lasst uns nicht diskutieren, ob es den generellen Rassismus gibt, sondern unsere Sinne dafür schärfen. Wir sollten uns stärken und bilden darin, wie wir es als Gesellschaft schaffen, dass niemand mehr Veranlassung hat, ein #metwo-Tweet zu schreiben. Wir sollten es schaffen ausreichend Safe Space zu gewährleisten und jeden Bericht über rassistische Erlebnisse ernst nehmen.

Weil’s uns in jedem Fall etwas bringt!

In redigierter Fassung ist mein Text auch bei Die Freiheitsliebe erschienen.

Neues Projekt: Schreie nach Liebe

Alle unsere Begegnungen in der Welt – auch und besonders im Internet – begegnet, sind entweder Liebe oder Schreie nach Liebe.

Leider beantworten wir den Schrei nach Liebe allzu oft mit Gewalt, Ausgrenzung und Angst. Doch die einzige Antwort auf einen Schrei nach Liebe kann nur die #Liebe selbst sein.

Schreie nach Liebe erhören

In diesem Sinne bekommen Hass erfüllte Menschen, die mir bei facebook und anderswo in sozialen Netzwerken begegnen ein persönliches kleines Kunstwerk aus ihrem Profilbild erstellt. ❤

Die gesammelten Werke werde ich als Posts (mit Originalbild) veröffentlichen und in einer Gallerie sammeln.

Diese Reihe stammt aus einem Thread in der Gruppe Du bist Waltroper, wenn… „Das Original“ rund um die Kundgebung gegen Rassismus anlässlich eines Brandschlags auf eine Unterkunft für Geflüchtete.

Dennis

OriginalbildOriginalbild Dennis aus facebook-Gruppe Du bist Waltroper, wenn „Das Original“

Schreie nach Liebe - Dennis

Rafael

Originalbild Originalbild Rafael aus facebook-Gruppe Du bist Waltroper, wenn „Das Original“

Schreie nach Liebe - Rafael

Nils

Originalbild

Originalbild Nils aus facebook-Gruppe Du bist Waltroper, wenn „Das Original“

Schreie nach Liebe - Nils

Tanja

Originalbild

Originalbild Tanja aus facebook-Gruppe Du bist Waltroper, wenn „Das Original“

Schreie nach Liebe - Tanja

Auf ein Neues!

Gerade hatte ich mir auf meiner Seite einen WordPress-Blog eingerichtet, um in unregelmäßigen Abständen zu Effekten der imperialen Lebensweise und zu weiteren persönlich Beobachtungen zu schreiben, da war’s schon wieder vorbei.

Ich weiß nicht, ob’s die DSGVO war oder ob man mich gehackt hatte. Jedenfalls war die Datenbank hinüber.

Datenbank hinüber

Weil „schnell mal“ wirklich nichts half, einfach alles nochmal neu gemacht. Aber immer noch viel work-in-progress hier. Also Vorsicht!

So und nun muss ich nur noch ans schreiben kommen…